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Helmtherapie bei Säuglingen

Herr Priv.-Doz. Dr. med. Hans Albert Beiler 76275 Ettlingen

Facharzt für Kinderchirurgie zur Fachartikel-Übersicht

Ein schöner Kopf....

... muss nicht symmetrisch sein. Völlig symmetrische Köpfe sind sogar eher die Ausnahme. Es gibt allerdings Schädelverformungen, die durch ihre Art und ihr Ausmaß einen nicht unerheblichen Einfluss auf die weitere Gesundheit und Entwicklung haben können. Bei stärkeren Asymmetrien sind häufig nicht nur der Hinterkopf, sondern auch die Schädelbasis und das Gesicht betroffen. Es ist nicht auszuschließen, dass dies negative Auswirkungen auf das Kieferwachstum sowie den Haltungs- und Bewegungsapparat zur Folge hat.

 

 

Schädelverformungen und ihre Ursachen

Nicht jedes Säuglingsköpfchen ist schön geformt, so wie es sein sollte. Am häufigsten handelt es sich um lagerungsabhängige Verformungen.

Ursächlich hierfür sind Kräfte, die von außen auf den Kopf einwirken. Diese Kräfte wirken nicht nur auf den Hinterkopf, sondern auf den gesamten Schädel.

Manche Schädelverformungen fallen direkt nach der Geburt auf. Schon vor der Geburt kann es durch Platzmangel in der Gebärmutter oder durch eine ungünstige Lage des Köpfchens zu einer Verformung kommen. Nicht alle Verformungen bilden sich nach der Geburt wieder zurück.

Häufiger kommt es jedoch nach der Geburt zur Schädelverformungen. Eine schnelle oder schwierige Geburt kann ein muskuläres Ungleichgewicht oder eine Blockade im Bereich der Halswirbelsäule bedingen. Diese verursachen nach der Geburt eine seitliche Zwangshaltung des Kopfes und führen dann zu einer asymmetrischen Schädelform.

Die seit Jahren aufgrund des Plötzlichen Kindstodes propagierte Rückenlage der Säuglinge führt ebenfalls zu einer Abflachung des Hinterkopfes. Diese meist leichten Verformungen des Kopfes korrigieren sich in den folgenden Monaten in der Regel spontan. Stärkere Verformungen bleiben ohne eine adäquate Therapie bestehen.

Bei den lagerungsunabhängigen Deformitäten liegt eine Wachstumsstörung vor. Hier kommt es zu einer frühzeitigen Verknöcherung im Bereich der Schädelnähte. Da der Kopf nur im Bereich der Schädelnähte wachsen kann, kommt es durch das Mangelwachstum der verknöcherten Schädelnähte zu einer Deformierung des Kopfes. Die Therapie ist in der Regel eine Operation.

Normalerweise lassen sich diese sehr seltenen Deformierungen durch unsere Diagnostik leicht von den lagerungsabhängigen Verformungen

abgrenzen.

Prophylaxe und erste Maßnahmen

In den ersten Lebensmonaten sollte die Kopfform von den Eltern regelmäßig kontrolliert werden, da die Säuglinge hauptsächlich auf dem Rücken liegen. Hilfreich sind optische und akustische Anreize, die dazu führen, dass der Säugling den Kopf in verschiedene Richtungen dreht. Bei größeren Säuglingen mit zunehmender Kopfkontrolle entlastet eine häufige Bauchlagerung in wachen Phasen den Hinterkopf. Bestehen bereits Anzeichen einer Verformung, sollte das Kind dem Kinderarzt vorgestellt werden.

Physiotherapie / Osteopathie

Die Behandlung von Kopfverformungen sollte möglichst früh beginnen. Die Erfolgsaussichten sind dann am besten und die Behandlungsdauer ist kürzer. Bei milden Formen und rechtzeitigem Beginn ist durch physiotherapeutische und/oder osteopathische Maßnahmen eine deutliche Verbesserung möglich. Das muskuläre Ungleichgewicht und das weitere Kopfwachstum lassen sich positiv beeinflussen. Beginnt die Therapie rechtzeitig, kann die Kopfform häufig harmonisiert werden. Nur solange das Köpfchen schnell wächst, ist eine Therapie möglich. Eine Deformität am Ende des ersten Lebensjahres kann kaum noch behoben werden.

Helmtherapie

Die Helmtherapie ist eine sichere und etablierte Methode, um ausgeprägte Verformungen des kindlichen Kopfes zu behandeln. Sie ist ein schonendes Verfahren, denn der Helm wirkt ausschließlich passiv. Er übt keinen Druck auf den Schädel aus. Der Helm liegt an der Stelle des Kopfes an, wo die Form korrekt ist. In den anderen Bereichen lässt er Platz. So wird das Wachstum des kindlichen Kopfes ausgenutzt um ihn in die Idealform zu führen.

Da das Schädelwachstum im ersten Lebensjahr am größten ist, sollte in dieser Zeit mit der Helmtherapie begonnen werden. Der günstigste Zeitpunkt für den Behandlungsbeginn ist der 4. bis 5. Lebensmonat. In dieser Periode wächst der Kopf rasch, wodurch sich die Behandlungsdauer auf ein Minimum reduzieren lässt. Je nach Ausprägung der Verformung und je nach Alter des Kindes dauert die Therapie 4 bis 6 Monate. Um einen ausreichenden Erfolg zu erzielen, ist der Helm 23 Stunden am Tag zu tragen. Nach einer kurzen Phase gewöhnen sich die Kinder schnell an den Helm.

Diagnostik und Behandlung

Bei der Erstvorstellung des Kindes erfolgt eine sorgfältige Untersuchung. Die äußere Form des Köpfchens wird dreidimensional mit einem fotooptischen Scanverfahren erfasst. Der Kopf wird nicht geröntgt.

Die Daten werden im Computer ausgewertet und mithilfe einer speziell entwickelten Software in ein 3-D-Modell des Kopfes überführt. Dies ermöglicht eine exakte Analyse der Kopfverformung. Anhand des Computer-Modelles wird bei Bedarf der Helm angefertigt. In nur wenigen Tagen ist der Helm fertig und die Anprobe kann erfolgen. Bei den Folgeterminen in etwa 4 bis 6-wöchigen Abständen wird der Behandlungsverlauf kontrolliert und mithilfe des fotooptischen Scanverfahrens dokumentiert.

Abschluss der Behandlung

Die Helmtherapie endet, sobald der Kopf soweit wie möglich in seine ideale Form gewachsen ist. Zum Abschluss der Behandlung wird erneut ein 3-D-Foto erstellt und der Kopf vermessen. Durch den Vergleich mit den Vorbefunden lässt sich der Behandlungserfolg auch objektiv beurteilen.

Kosten

Die Helmtherapie ist bis jetzt leider noch nicht von den gesetzlichen Krankenkassen in den Leistungskatalog aufgenommen worden. Das heißt, für die Krankenkassen besteht keine Verpflichtung, die Helmtherapie zu bezahlen. Für jeden Patienten wird nach Antrag einzeln von der jeweiligen Krankenkasse entschieden, ob und in welcher Höhe die Kosten übernommen werden. Ein gesetzlicher Anspruch auf Kostenübernahme besteht nicht.

Bei den privaten Kassen werden die Kosten in der Regel übernommen. Allerdings sollte auch hier sicherheitshalber ein Antrag auf Kostenübernahme vor der Behandlung eingereicht werden.

Wichtig für die Entscheidung der Krankenkassen sind unter anderem die Schwere der Verformung, das Alter des Kindes und die bisherige Therapie.

Ihre Therapeuten

Das Helmtherapiezentrum in Bonn (www.netzwerk-helmtherapie.de) unter der Leitung von Dr. Dr. Rottke und Dr. Dr. Maas war Mitentwickler und bundesweit erster Anwender eines fotooptischen Verfahrens für 3-D-Erfassung der Schädeldeformität bei Säuglingen. Dadurch ist es möglich, dass der früher übliche Gipsabdruck der Säuglingsköpfchen heute der Vergangenheit angehört.

Dieses Verfahren wurde im Helmtherapiezentrum Ettlingen/Nordbaden übernommen. Durch die enge Kooperation mit Bonn können jährlich Hunderte von Untersuchungen durchgeführt und ausgewertet werden. Durch diese Vernetzung liegt eine Erfahrung und Kompetenz vor, die Säuglinge aus ganz Deutschland und den Beneluxländern zu uns führt.

Autoren der Redaktion

Priv. Doz. Dr. Hans Albert Beiler, Helmtherapiezentrum Ettlingen/Nordbaden

Dr. Dr. Stephan Rottke, Helmtherapiezentrum Bonn

Dr. Dr. Holger Maas, Helmtherapiezentrum Bonn